"Es ist wichtig, dass Early Stages Professionals und ihre Anliegen auf Kongressen repräsentiert sind."

Dresden, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln/Bonn und Würzburg: An diesen fünf Standorten stärkt die Deutsche Krebshilfe im Rahmen des Förderprogramms Mildred-Scheel-Nachwuchszentren den wissenschaftlichen Nachwuchs auf dem Gebiet der Krebsforschung. Die Biologin Dr. Anke Fuchs von der TU Dresden nimmt als eine der ersten am Programm teil. Im Interview spricht sie über ihre Arbeit und ihre Erwartungen an den DKK 2020.

Frau Dr. Fuchs, woran forschen Sie genau?
Dr. Fuchs: Es geht um Leukämiekranke, die eine Stammzelltherapie erhalten haben – bei etwa der Hälfte der Behandelten kommt es zu chronischen Transplantat-vermittelten Abstoßungsreaktionen, die beinahe alle Gewebe und Organe des Patienten betreffen können. Diese sogenannte chronische Graft-versus-Host-Erkrankung kann lebensbedrohlich sein. Ich erforsche, wie diese Abstoßung mit neuartigen zellulären Therapien gemildert oder gar verhindert werden kann. Mein Fokus liegt dabei auf der Behandlung der Betroffenen mit suppressiven Zellen des Immunsystems, den regulatorischen T-Zellen, kurz auch Tregs genannt.

Wie gewinnt man diese Zellen?
Dr. Fuchs: Sie müssen zunächst aus dem Blut des Spenders isoliert werden, von dem auch die Stammzellspende stammte, und vor Gabe in einer Zellkultur vermehrt werden. Eine manuelle Kultivierung ist schwierig und birgt ein hohes Kontaminationsrisiko. Wir haben deshalb mit unserem Partner Miltenyi Biotech ein neuartiges vollautomatisches Verfahren entwickelt, das wir in unseren GMP-Reinraumlaboren am Zentrum für Regenerative Therapien der TU Dresden durchführen. Das Verfahren ist mittlerweile so weit, dass wir es für die Herstellung von Tregs als Zellpräparat einer klinischen Studie nutzen werden.

Was motiviert Sie persönlich?
Dr. Fuchs: Ich wollte schon immer, dass meine Forschung unmittelbar den Patienten zugutekommt und habe mich daher für die Arbeit an der Schnittstelle zwischen Forschung und klinischer Anwendung entschieden.

Was ist für Sie wichtig, um sich als Medical Scientist zu etablieren?
Dr. Fuchs: Der problemlose wissenschaftliche Austausch mit Klinikärzten und anderen Forschergruppen. Die räumliche Nähe unseres Labors zum Comprehensive Cancer Center in Dresden trägt viel dazu bei, dass wir gut integriert sind, ebenso meine beiden Mentoren, die ich jederzeit ansprechen kann. Wichtig ist auch die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. Als Mutter zweier Kinder finde ich hier selbstverständliche und bezahlbare Kinderbetreuungsmöglichkeiten vor – auch in den Schulferien. Das ist leider nicht überall in Deutschland so. Weitere Unterstützungsmöglichkeiten, zum Beispiel, wenn kurzfristig ein Babysitter benötigt wird, wären wünschenswert.

Was erhoffen Sie sich vom DKK 2020?
Dr. Fuchs: Es ist wichtig, dass der Nachwuchs und seine Anliegen auf Kongressen repräsentiert sind. Deshalb freue ich mich, dass die Sitzungen für junge Onkolog*innen einen Schwerpunkt im Programm des DKK 2020 bilden. Early Stage Professionals sollten sich unbedingt vernetzen – ich hoffe, dass der DKK dafür eine gute Plattform bietet.