"Wir können nur Schritt halten, wenn wir den Nachwuchs gut ausbilden."

Herr Professor Hochhaus, warum liegt Ihnen der wissenschaftliche Nachwuchs so am Herzen?
Prof. Hochhaus: Jedes Jahr erkranken in Deutschland 500.000 Menschen neu an Krebs, geschätzte 4,5 Mio. Menschen sind oder waren schon einmal betroffen. Gleichzeitig erleben wir einen rasanten Wissenszuwachs in der Onkologie, der zu immer gezielteren Therapien für immer kleinere Patient*innengruppen führt. Mit dieser Entwicklung können wir nur Schritt halten, wenn wir den wissenschaftlichen Nachwuchs gut ausbilden und für unser Fach motivieren können. Nachwuchsförderung gehört zu den wichtigen Aufgaben der beiden kongressveranstaltenden Organisationen. Die Krebsgesellschaft bietet zum Beispiel schon mehreren Jahren eine Autumn School an, in der Medizinstudierende im direkten Kontakt mit Expert*innen mehr über die einzelnen Arbeitsfelder in der Onkologie erfahren – das wird sehr gut angenommen. Und die Deutsche Krebshilfe unterstützt im Rahmen ihres „Career Development Programms“ seit vielen Jahren Nachwuchswissenschaftler*innen.

Weshalb sollte man sich als junger Arzt für eine Laufbahn in der Onkologie entscheiden?
Prof. Hochhaus: Das Faszinierende an der Onkologie ist, dass wir uns auf der einen Seite mit modernsten molekularen und biologischen Entwicklungen auseinandersetzen müssen, um sie nutzen zu können. Auf der anderen Seite steht die empathische und umfassende Betreuung der Patient*innen, die wir oft über einen längeren Zeitraum begleiten. Besonders an der Schnittstelle von Forschung und Versorgung entstehen neue Tätigkeitsfelder – Clinician Scientists zum Beispiel, also Ärzt*innen, die einen Teil ihrer Arbeitszeit im Labor, den anderen Teil auf Station verbringen. Und dann gibt es natürlich auch noch die Naturwissenschaftler*innen, die im engen Kontakt mit Klinikern translational forschen.

Klinik und Forschung unter einen Hut zu bekommen, ist für junge Ärzt*innen nicht immer einfach. Wie kann man sie unterstützen?
Prof. Hochhaus: Durch eine entsprechende Förderung. Dort, wo ich arbeite – am Universitätsklinikum Jena – gibt es dafür ein dreijähriges Programm mit einer geschützten Forschungszeit bzw. einem vertraglich festgelegtem Forschungsanteil, der flexibel und individuell gestaltbar ist. Darüber hinaus bieten verschiedene Fördereinrichtungen Programme an, die wir auch auf dem DKK vorstellen werden.

Für die junge ärztliche Generation ist es wichtig, dass Karriere- und Lebensplanung zusammenpassen.
Prof. Hochhaus: Das stimmt. Gerade wer am Anfang einer wissenschaftlichen Laufbahn steht, ist besonders darauf angewiesen, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehört zum Beispiel eine gute Kinderkrippe in Kliniknähe oder Zulagen zur Kinderbetreuung sowie flexiblere Arbeitszeitmodelle. Besonders für Frauen, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben, sind die Barrieren leider immer noch groß. Generell besteht hier Nachholbedarf – nicht nur in der Onkologie.

Was wird auf dem DKK für Studierende und junge Ärzt*innen geboten?
Prof. Hochhaus: Am Studierendentag bieten wir Vorträge über die verschiedenen Berufsbilder in der Onkologie und über Karriereplanung an. In den Sitzungen für die Jungen Onkologen geht es unter anderem um Fördermöglichkeiten. Außerdem stellen sich die Nachwuchsgruppen verschiedener onkologischer Fachgesellschaften vor und wir sprechen über Situationen, die gerade junge Ärzt*innen als schwierig empfinden. Nachwuchswissenschaftler*innen, die ein besonders gutes Abstract eingereicht haben, bekommen die Möglichkeit, ihre Ergebnisse in einer eigens dafür eingerichteten Plenarsitzung zu präsentieren. Und das Junge Forum in der Kommunikationshalle bietet vielfältige Möglichkeiten, sich zu vernetzen. Ein tolles Angebot, das man auf keinen Fall verpassen sollte.

erschienen in: FORUM 6/2019, Mitgliedermagazin der Deutschen Krebsgesellschaft